HOME

Mit Morag Keil, Karen Kilimnik, Georgie Nettell, Sam Pulitzer, Emily Sundblad, Frances Stark und Phillip Zach.

Kuratiert von Fredi Fischli und Niels Olsen.

Die Gruppenausstellung HOME ist die erste Ausstellung, die im neuen, von Heimo Zobernig konzipierten schwarzescafé im LUMA Westbau stattfindet. Zobernigs schwarze Innenausstattung und architektonische Interventionen erfüllen verschiedene Funktionen: Café und Bar, Vortrags- und Vorführungsraum, Ausstellungsort und Leseraum, sowie öffentliche Bibliothek der Kunsthalle Zürich.

HOME zeigt Arbeiten, die sich mit den verschiedenen Aspekten der Häuslichkeit und der Darstellung von Innenräumen auseinandersetzen. Der Begriff «home» verweist auf eine bestimmte architektonische Typologie, die eine Zone des Komforts impliziert. «Home» hat aber auch eine verborgene, geheimnisvolle Seite, die intime Szenen und mögliche Konflikte andeutet.

Die Idee von Häuslichkeit als Gegensatz zum Arbeitsplatz hat mit der Moderne, in ihrem engen Bezug zur kapitalistischen Wirtschaftsform, zu technologischen Errungenschaften und dem Konzept von Individualität, ihren Einzug gehalten. Andererseits bildet die häusliche Umgebung einen Kontrast zu den Schauplätzen der modernen Avantgarde, die nicht «zuhause blieb», sondern in kulturelle Schlachtfelder marschierte. In seinem Aufsatz Der Maler des modernen Lebens schildert Charles Baudelaire einen modernen Maler, der die Zeit verflucht, die er schlafend in seinen vier Wänden verbringen muss, während er draußen an „der Landschaft der großen Stadt“ arbeiten könnte. Der häusliche Bereich wurde zu einer Antithese zu den Stätten der künstlerischen Produktion.

Mit der Postmoderne, dem Feminismus und neuen Produktionsmethoden, wurde das heimische neu bewertet, und die Politik des Häuslichen kehrte wieder in den Bereich der künstlerischen Praxis zurück. Da sich die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit heutzutage immer mehr auflösen, erscheint es als produktiv, die Ängste der «Hausfrau», die sich alleine innerhalb der Grenzen einer häuslichen Umgebung abmühtals Gegensatz zu der Tätigkeit des «Architekten», der kontinuierlich Bauten in der Aussenwelt entwirft, als zwei Pole von Bedeutungsproduktion zu sehen, wie es Frances Stark in ihrem Aufsatz Der Architekt und die Hausfrau (1999) beschrieben hat.

Ein Café nimmt eine Zwischenposition zwischen dem öffentlichen und dem privaten Raum ein. Konzipiert für den LUMA Westbau, reflektiert es die vielschichtigen Ambiguitäten der Umgebung, zwischen öffentlichem Café, privatem Wohnzimmer und thematischer Ausstellung.


Eine Koproduktion von LUMA Stiftung und gta Ausstellungen, kuratiert von Fredi Fischli und Niels Olsen.