THEFT IS VISION


Mit Cosima von Bonin, Maurizio Cattelan, Maria Eichhorn, Marie-Louise Ekman, Sylvie Fleury, Isa Genzken, Richard Hamilton, Charline von Heyl, Pierre Joseph, Valentina Liernur, Dan Mitchell, Mathieu Malouf, Malcolm Morley, Albert Oehlen, Betty Tompkins und Gili Tal.

Ausstellungsarchitektur von Petra Blaisse / Inside Outside

Kuratiert von Fredi Fischli und Niels Olsen.


Der Begriff Theft (Diebstahl) evoziert einen Tatort. Die Ausstellung Theft is Vision geht dem Verlangen nach Appropriation nach, ein fundamentales Thema der Kunstproduktion. Durch Genres und Epochen hindurch können Typologien ausgemacht werden, die aus der Aneignung bestimmter Motive oder Kunstwerke stammen. Als nur eine Form des aggressiven Diebstahls ist der Akt des Zitierens eine kulturelle Strategie, bereits bevor sich die Appropriation Art als solche etablierte. Folgende Fragen werden im LUMA Westbau von einer zeitgenössischen Perspektive her gestellt: Welche Genres werden heute durch Aneignung etabliert? Was bedeutet stehlen für die Kunstpraxis? Ist er als ein Akt des Wegnehmens zu verstehen? Oder handelt es sich vielmehr um eine produktive Strategie, wie es die kunsthistorische Auslegung der Appropriation Art nahelegt? Im Kontext dieser Ausstellung wird der Diebstahl als Dialog, als Übersetzungsleistung zwischen Künstlerinnen und Künstlern untereinander gedacht. Grundsätzlich konfrontiert die Ausstellung Theft is Vision zwei gegensätzliche Konzepte der Aneignung: Das Verlangen nach Appropriation als Idealisierung von künstlerischen Quellen einerseits, die Attacke oder Subversion von Etabliertem andererseits.


Die Typologie der Enfilade – eine Folge von Räumen in der repräsentativen Architektur – wird durch das von durchsichtigem Plastik dominierten Ausstellungsdesign von Petra Blaisse / Inside Outside neu interpretiert und in den White Cube eingefügt. Es umrahmt formgebende Typologien, produktive Aneignungen von Kunstwerken durch zahlreiche Künstlerinnen und Künstler. Die grundlegende Frage der Ausstellung führt zu einer Mannigfaltigkeit gleichsam ikonischer und unerwarteter Ergebnisse: Rekonfigurationen von Marcel Duchamps readymades, Kazimir Malevichs Schwarzem Quadrat, Lucio Fontanas Concetto Spaziale, Jasper Johns Target, Fra Angelicos Verkündigung, Jacques-Louis Davids Bonparte beim Überschreiten der Alpen am Grossen Sankt Bernhard, Bernard Buffets Buchillustrationen und Courbets L’Origine du Monde oder Variationen von Shopping Bag-Installationen. Durch die Gliederung dieser Typologien enthüllt und kontrastiert die Ausstellung verschiedene künstlerische Appropriations-strategien und macht Quellen, Vorbilder, Gegenpositionen und Komplizen sichtbar.