It’s Urgent! – Part III

Kuratiert von Hans Ulrich Obrist


Den Ausgangspunkt für It’s urgent bildet ein Ausstellungsmodell, das ich (zusammen mit Christian Boltanski und Betrand Lavier) im Jahr 1993 mit do it begonnen hatte. Für diese fortlaufende, flexible und unbefristete Ausstellung laden wir Künstler ein, Anweisungen, Partituren und Rezepte zu schreiben, die dann jedes Mal, wenn sie präsentiert werden, von anderen interpretiert werden können. Beispielsweise hatte die Dichterin Eileen Myles (sie gehört auch dem neuen It’s urgent Projekt an) einen Beitrag mit dem Titel How to Run for President of the United States geschrieben. Ihr Text erinnert daran, dass auch in diesen erschreckenden Zeiten die Demokratie dem Volk gehört und dass die Kunst ein Mittel sein kann, um sie zurückzufordern.


Früher in diesem Jahr hatte ich zwölf Künstler (Etel Adnan, Sophia Al-Maria, Tania Bruguera, Tony Cokes, Olafur Eliasson, Hans Haacke, Lauren Halsey, Eileen Myles, Precious Okoyomon, Wolfgang Tillmans, Rirkrit Tiravanija, Nora Turato) dazu eingeladen, Poster und Plakate zu realisieren, die während der im Frühling veranstalteten Wahlen für das EU-Parlament und das dänische Parlament in ganz Dänemark auf Werbeflächen präsentiert wurden. Die Idee bestand darin, eine Ausstellung zu zeigen, die jeden erreicht, da sie über das Museum hinausgeht und die Ideen der Künstler in die Gesellschaft hineinbringt. Diese erste Ausgabe von It’s urgent wurde von der Kunsthalle Charlottenburg und dem Heartland Festival realisiert.


Die zweite Ausgabe hat in diesem Frühjahr bei Luma Westbau in Zürich begonnen. Im Sinne von sich beständig entwickelnden Ausstellungen haben wir weitere 45 Künstler aus der ganzen Welt dazu eingeladen eine Antwort auf die Frage zu geben, was in unserer Zeit dringlich ist; diese sind: David Adjaye / Maxwell Alexandre / Mathis Altmann / Liz Johnson Artur  / Kasper Bosmans / Mark Bradford / Judy Chicago / Douglas Coupland / Aria Dean / Eugenio Dittborn / Jimmie Durham / Formafantasma / Cao Fei / Fernando Garcia-Dory / Anna Bella Geiger / Liam Gillick / Renée Green / Joseph Grigely / Newton Harrison / Luchita Hurtado / Pierre Huyghe / Koo Jeong A / Josh Kline / Jakob Kudsk Steenson / Suzanne Lacy / Friederike Mayröcker / Oscar Murillo / Lorraine O‘Grady / Yoko Ono / Trevor Paglen / Raymond Pettibon / Vaclav Pozarek / Raqs Media Collective / Tabita Rezaire / Peter Saville/ Stephen Shore / Marianna Simnett / Patrick Staff / Barbara Solomon Stauffacher / Martine Syms / Günther Uecker / Madelon Vriesendorp / Jan Vorisek / Lawrence Weiner / Stanley Whitney.


Für die dritte Ausgabe haben wir weitere 22 Künstler eingeladen: Meriem Bennani / Antonio Caro / Theaster Gates / Fabien Giraud & Raphaël Siboni / Beatriz González / Dominique Gonzalez-Foerster / Sky Hopinka / Joseph Kahlil / Amar Kanwar / Maya Lin / Fernando Palma Rodríguez / Paul B. Preciado / Faith Ringgold / Rachel Rose / Anri Sala / Tomás Saraceno / Bruno Serralongue / John Waters / Ai Weiwei / Huang Yong Ping / Samson Young.


Viele dieser Poster-Projekte haben eher die Form von praktischen und realisierbaren Vorschlägen als von imaginären Utopien angenommen. Fragen von Ökologie, Ungleichheit und Zusammengehörigkeit sowie einer gemeinsamen Zukunft werden dabei häufig angesprochen. Um mit Etel Adnan zu sprechen: „Die Welt braucht Zusammengehörigkeit, nicht Trennung. Liebe, nicht Misstrauen. Eine gemeinsame Zukunft, nicht Isolation.“


Das Projekt wird sich in Zürich weiterentwickeln, bis wir Ende Januar 2020 die Zahl von 100 Postern erreicht haben und dann während der Luma Days 2020 in Arles gezeigt. Der Eintritt ist frei; kleine Druckversionen der Poster können die Besucher kostenlos mitnehmen, und sie werden auch in der ganzen Stadt verbreitet werden. Somit kann die Ausstellung ein Publikum ausserhalb von Luma Westbau erreichen, da sie sich an vielen überraschenden Orten und in unerwarteten Kontexten manifestiert, wodurch neue Formen des Austausches und sozialen Raumes erschaffen werden.


Wenn es jemals eine Zeit gab, in der die Welt die radikalen Ideen, Visionen und Perspektiven der Künstler hinsichtlich der Gesellschaft brauchte, dann jetzt – und es ist dringlich.