The Foundation


 




The Foundation
(2015) ist eine Filminstallation von Patrick Staff, die als Gemeinschaftsauftrag der Chisenhale Gallery, London, von Spike Island, Bristol, dem Institute of Modern Art, Brisbane, sowie der Contemporary Art Gallery, Vancouver, geschaffen wurde.


Das Werk untersucht generationsübergreifende queere Beziehungen, wie sie durch historisches Material vermittelt werden. Der Film verbindet Bildmaterial, das in der Tom of Finland Foundation, Los Angeles, aufgenommen wurde – sie beherbergt das Archiv des Erotikkünstlers und der Schwulen-Ikone sowie eine Gruppe von Menschen, die sich um dessen Erhalt kümmern–, mit choreografischen Sequenzen, die in einem speziell konstruierten Set gedreht wurden.


Das Erbe des finnischen Künstlers Touko Laaksonen (1920–1991), besser bekannt als Tom of Finland, bezieht mehrere Generationen mit ein. Sein Werk hatte einen starken Einfluss auf die Darstellung des Männlichen und die Bilderwelt in der Schwulenkultur der Nachkriegszeit. Die Stiftung wurde 1984 von Tom und seinem Freund Durk Dehner gegründet, um seinen umfangreichen Katalog homoerotischer Kunst aufzubewahren und dabei gleichzeitig, wie es auf der Internetseite der Organisation heisst, „die Öffentlichkeit über die kulturellen Verdienste erotischer Kunst aufzuklären und gesündere, tolerantere Einstellungen zur Sexualität zu fördern.“ Heute leitet Durk die Organisation und lebt zusammen mit einer Handvoll Angestellter und Künstler im Haus. Staffs Film konzentriert sich nicht so sehr auf das Werk von Tom of Finland, sondern stellt vielmehr die Stiftung als ein Geflecht von Beziehungen dar. Es geht dabei um den Aufbau und die Zusammenstellung einer Sammlung, um die Gemeinschaften, die ein Werk hervorbringen und von diesem hervorgebracht werden, sowie um Vorstellungen von generationsübergreifenden Beziehungen und Erhalt. Mittels Aufnahmen, die Beobachtungen des Hauses, seiner Sammlungen und Bewohner enthalten, wird die Stiftung als häusliche Umgebung, libidinöser Raum, Archiv, Büro und Begegnungsstätte gezeigt – als ein privater Raum, der zugleich auch eine öffentliche Organisation beherbergt und die Quelle eines breit gestreuten Bestands an Bildern bildet.


Patrick Staff rückt die eigene Identität und den persönlichen Dialog mit den unterschiedlichen Gemeinschaften der Stiftung in den Vordergrund, um zu untersuchen, wie Vorstellungen von Vererbung und Austausch zwischen den Generationen durch Gender-Identität und -Darstellung erschwert werden. Das dokumentarische Filmmaterial der Stiftung enthält als Zwischenschnitte eine Reihe von Szenen, die in einem Set gedreht wurden, das Aspekte der Architektur und Technik des Gebäudes mit einbezieht, und sich im Bereich des experimentellen Theaters bewegen. In diesen Sequenzen, in denen Staff mit einem älteren Schauspieler interagiert, werden Choreografie und Requisiten eingesetzt, um den Körper als einen Ort der Konstruktion und Dekonstruktion von Subjektivität zu erforschen.



 


Patrick Staff lebt und arbeitet in London und Los Angeles. 2009 machte Staff den BA in Fine Art und Contemporary Critical Studies an der Goldsmiths University London. Staffs Werk wurde unter anderem im Hammer Museum, Los Angeles, im Museum of Contemporary Art (MOCA), Los Angeles, im New Museum, New York, im Walker Arts Center, Minneapolis, sowie bei Tate Modern, London, gezeigt. 2011 absolvierte Staff das LUX Associate Artists Program und wurde 2015 mit dem Paul Hamlyn Preis für bildende Künstler ausgezeichnet.

Im November wird eine Einzelausstellung mit neuen Arbeiten von Staff in der Serpentine Galleries in London gezeigt.