Tony Cokes

Before and After the Studio: Volume II


Schwarzescafé im Luma Westbau präsentiert Bevor and After the Studio: Volume II, die erste Einzelausstellung in der Schweiz des amerikanischen Künstlers Tony Cokes.

Cokes versammelt in seinem Werk angeeignetes Material wie Popmusik und Nachrichtentexte zu spannungsreichen Collagen, um Wechselwirkungen zwischen Künstler, Atelier und Gentrifzierung zu erkunden. Seine Ausstellung im schwarzencafé setzt sich dabei mit dem Interieur vom Künstler Heimo Zobernig auseinander und wird von Fred Fischli und Niels Olsen kuratiert.


Tony Cokes montiert vorgefundenes Filmmaterial, einfarbige Dias, animierte Textauszüge und Popmusik zu Videoarbeiten. Seine jüngsten Arbeiten für eine Ausstellung in The Shed, New York, auf LED-Bildschirmen ergeben zusammen ein Diptychon mit dem Titel Before and After the Studio (2019). Sie untersuchen den Stellenwert des Künstlerateliers – seine Architektur, seine Wirkung auf die künstlerische Arbeit, seine Mythenbildung.


Die neue Arbeit eignet sich fragmentarische, anonymisierte Beschreibungen von skulpturalen Arbeiten eines Künstlers aus den 1980er- und 1990er Jahren zu Themen wie Gewalt, Medien und Starkult in Amerika an. Sie erzählen vom „Aufstieg des Ateliers“, insbesondere im Zusammenhang mit der Nachnutzung von Industriebauten. Weitere Texte beschreiben die Entwicklung der „kreativen Klasse“ und die Vorliebe ihrer Angehörigen für bestimmte, dem Urbild des Künstlerateliers oder -lofts nachgeratenen Räume. Cokes zufolge ist der Drang zu ebendieser Architektur der kreativen Klasse ein Merkmal des kapitalistischen Systems, in dem wir heute leben. Eine Musikauswahl von Drakes Hiphop bis zu britischem Dubstep begleitet das Video.


Die Installation beinhaltet eine Serie weiterer, themenverwandter Arbeiten. Killer.mike.karaoke (2017) kombiniert zwei Nummern des Hiphop-Musikers und Aktivisten Killer Mike, wobei die Songtexte im Video mitzulesen sind. Killer Mike ist ein entschiedener Fürsprecher sozialer Gerechtigkeit und bekannt dafür, dass er seine Musik zur Politisierung diverser Milieus nutzt. Zu sehen sind außerdem zwei Videoprojektionen: studio, time, isoloation: reconstructions of soul and the sublime (2011) verbindet Aufnahmen des Reggae-Sängers Cornell Campbell mit Auszügen aus dem Text „Studio Time“ des Historikers Tom Holert; shrinking criticism (2009) setzt einen Text auf Basis des Essays „The Decline and Fall of Criticism“, in dem der britische Autor Julian Stallabrass die Verschmelzung von Geschäft, Kunst und Werbung im globalen Kunstgeschehen der letzten vier Jahrzehnte beschreibt, zu den Dubstep-Klängen von Kromestar.


Tony Cokes lebt und arbeitet in Providence, Rhode Island, wo er am Department of Modern Culture and Media der Brown University lehrt. Ausgestellt hat er in letzter Zeit am Goldsmiths CCA, London, in The Shed, New York, in der Bergen Kunsthall, bei der 10. Berlin Biennale, am Hessel Museum in Annandale-on-Hudson, in der Londoner Whitechapel Gallery, am ZKM Karlsruhe, bei REDCAT in Los Angeles, am SFMOMA, San Francisco, im Whitney Museum of American Art, New York und im Pera Museum, Instanbul, sowie im Pariser Louvre. Seine Arbeiten befinden sich unter anderem in folgenden Sammlungen: Hammer Museum, Los Angeles, Carnegie Museum, Pittsburgh; The Whitney Museum of American Art, New York; SFMoMA, San Francisco; The Studio Museum in Harlem, New York; FRAC Lorraine, Metz, Frankreich; Museum of Modern Art, New York; Centre George Pompidou, Paris; Kunsthallen, Copenhagen; Wexner Center for the Visual Arts, Columbus; Queensland Art Gallery, Brisbane.